Umbau durch übergeordnete Instanz, 2012

Eingeladener Kunstwettbewerb

Projektentwurf für den Kunstwettbewerb: aktives Stadtzentrum Marzahner Promenade, Berlin.

4 digitale Collagen auf Plakatwänden im Format 18/1 über die Marzahner Promande verteilt

In Zusammenarbeit mit Regina Weiss

Der Entwurf „Umbau durch übergeordnete Instanz“, besteht aus einer vierteiligen Bildserie, realisiert in Form großformatiger Plakate (Format: 18/1), die an unterschiedlichen Orten auf der Marzahner Promenade aufgestellt werden. Das Format der Plakatserie knüpft an heute übliche Werbeformate an, insbesondere spielt sie aber auch auf die Spuren der architekturbezogenen Kunst der DDR, die großen Wandbilder auf der Marzahner Promenade an. Durch ihre vier Standorte begleiten die Plakat-Bilder die Fußgänger entlang der Promenande zwischen Freizeitforum und Eastgate-Center; und markieren somit den öffentlichen Raum Marzahns. Die einzelnen Motive beschäftigen sich dabei auf hintergründige und spielerisch-subtile Art mit der Frage der heutigen Bedeutung dieses öffentlichen Raumes, sowie der des Viertels für seine Bewohner im allgemeinen.

Zum Motiv: Der Protagonist unserer Plakatserie ist ein kleines Kind. Ein Kleinkind, das seine Umwelt spielerisch mit den Händen begreifen möchte, dessen Bewegungen und Handlungen dabei jedoch noch unkontrolliert und manchmal überraschend sind. Ein irritierender Effekt besteht dabei bereits in den Größenverhältnissen, in denen die Plakat-Bilder das Kind und seine Umwelt zeigen. Denn diese verhalten sich gerade umgekehrt als üblich zueinander: Die städtische Umgebung schrumpft hier auf Spielzeugformat zusammen, während die Größe des Kindes Dimensionen annimmt, die es ihm erlauben, leicht und frei über seine Umwelt zu verfügen.

Zur Figur des Kindes: Das abgebildete Kleinkind in seinen ungewöhnlichen Dimensionen weckt das Interesse und die Neugier der Passanten. Es zieht Sympathie auf sich und bietet eine leichte Identifikationsmöglichkeit: Jeder war einmal ein Kind; jeder trägt noch immer 'das Kind' in sich. Auch in der Realität bilden Kinder einen festen Bestandteil Marzahns; und nicht wenige der Bewohner der Siedlung sind Eltern oder allein erziehende Mütter. Das Motiv des Kindes kann also durchaus ganz wörtlich verstanden werden. Andererseits kommt der Figur des Kindes auch große symbolische Bedeutung zu: Kinder stehen für neue Möglichkeiten und Neuerungen. Sie stehen für den Aufbruch in eine noch unbekannte Zukunft, die es zu gestalten gilt. Das Kind ist etwas Fragiles, Schutzbedürftiges. Andererseits steht es genauso für das noch Unfertige, das Sich-Ausprobieren, den spielerischen und experimentellen Umgang mit der Welt. Dabei handeln Kinder in der Regel zwar unschuldig, aber keineswegs immer so konsequenzenlos und 'gut', wie Erwachsene dies gern hätten: Aufbauen und umwerfen, anderen geben und wieder wegnehmen, behutsam sein und zerstören – das alles gehört zu den Dimensionen des Kindseins dazu. In symbolischer Hinsicht führt dies nicht zuletzt auch zur Figur des Götterkindes, dem Erbauer und Schöpfer einer Welt, der in großer Unschuld und Naivität etwas errichten mag, und es nun ebenso leicht wieder zerstören kann, wie es sich aneignen, umbauen, gestalten. – Das alles: Zukunft, Spiel, Unschuld, naive Schöpfung, Gestaltung, Aneignung, sind mögliche Assoziationen, die sich mit der Figur des Kindes verbinden, und mit deren Vielschichtigkeit wir in unserer Plakatserie gezielt arbeiten wollen.

Die Plakate erinnern dabei, wie oben erwähnt, bewusst an beides: Sie erwecken den Anschein von Werbung und ziehen somit gerade durch die Abwesenheit einer auf Anhieb klar lesbaren Botschaft Interesse auf sich. Sie laden Passanten zum freien Assoziieren und spielerischen Hinein Versetzen ein. Zum anderen spielt die Plakat-Serie auf Kunstwerke aus der Zeit des Sozialismus an, die Titel wie „Die Ehrung der Erbauer Marzahns“ tragen. Dabei kehrt sie jedoch die Perspektive um, indem sie die Bewohner und Nutzer des öffentlichen Raumes (statt etwa den „Erbauern“) ins Zentrum des Interesses rückt.