Kieler Nachrichten
Sonnabend, 21. November 2009
Nr.272

Die Transferleistung in der Transportkiste

Kiel- Wer derzeit bei Prima Kunst vorbeischaut, könnte sich beobachtet fühlen. Aus leeren Augenhöhlen starrt ein Affe in Richtung Containereingang. Zwar ist das Tier schon lange tot, doch von seinem Skelett, das wie zum Sprung bereit auf einer Transportkiste hockt, geht eine seltsam lebendige Wirkung aus. Mittig im Container positioniert, kann man um das Skelett herumgehen und, hinter ihm stehend, die Blickrichtung des gaffenden Affen einnehmen. „Vorsicht! Affenskelett“, steht auf dem Deckel der Kiste, der wie zufällig an der Wand lehnt- eine Warnung, die den Eindruck des Untoten noch unterstreicht. Ganz so, als wäre es ausgebüchst, sitzt dieses Skelett auf seinem hölzernen Gefängnis, das eine polygonal gebrochene Spiegelfläche beherbergt. Der Betrachter kann darin sein verzerrtes Spiegelbild entdecken- gefangen in der Transportbox. Jungle was Yesterday nennt Katinka Theis ihre so hintersinnige wie komplexe Arbeit, die sie eigens für den Container konzipiert hat. „Ich habe eine Transportkiste in eine Transportkiste gestellt“, so die in Freiburg geborene Künstlerin, die mit ihrer Installation Polaritäten herstellen will- zwischen Alt und Neu, zwischen naturalen und modernistischen neuen Formen, sowie zwischen Raum und Zeit- eine Polarität, die sich auch im Titel wiederfindet. „Das ist in gewisser Weise eine Entsprechung zu der ursprünglichen Funktion des Containers, der sich auch zwischen Zeitlichem und Räumlichen bewegt.“ Katinka Theis studierte in Bonn Bildhauerei, danach Raumstrategien in Berlin Weissensee. „Dort habe ich mich viel mit Raumtheorie und Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt.“ Und weil sie ein Faible für umfunktionierte Räume hat, findet sie die Idee, einen Container für die Präsentation von aktueller Kunst zu nutzen , „einfach toll“. Ihre Arbeit ist es auch- spätestens auf den zweiten Blick. sth