Pvillion, 2011

Eingeladener Kunstwettbewerb

Projektentwurf für die Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik

In Zusammenarbeit mit Regina Weiss

Pavillon
Der Entwurf für die Staatliche Ballettschule Berlin und Schule für Artistik bewegt sich im Bereich zwischen Skulptur und Architektur. Er sieht die Errichtung eines Pavillons vor, der in Form und Funktionalität den Gedanken eines nutzbaren Aufenthaltsraumes mit dem thematischen Motiv des Tanzes verbindet. Der Pavillon schafft eine temporäre Rückzugsmöglichkeit für die SchülerInnen. Er ist ein Ort der Entspannung, aber auch der Begegnung und Kommunikation.

Die Grundidee
Die Idee eines Pavillons basiert auf der Vorstellung eines geschützten Ortes im Außenraum. Dieser dient der Erholung und Entspannung, ebenso wie der Kommunikation. Ein Pavillon vereint in der Regel zwei formale Elemente: Erstens große Fenster oder Wandöffnungen, die Ausblick gewähren; zweitens eine räumliche Anordnung, die Menschen in Kontakt miteinander bringt. Der von uns entwickelte Entwurf greift diese Grundprinzipien des Pavillons auf. Gestalterisch geht er dabei aber über den Gedanken eines rein funktionalen Gebäudes hinaus, indem er explizit auf seine räumliche Umgebung – die Ballettschule – und das Thema des Tanzes Bezug nimmt. Der Pavillon ist also beides zugleich: Real nutzbarer Ort, ebenso wie sinnlich erfahrbare Skulptur.

Der Entwurf
In seiner Gestaltung greift der Pavillon die markante Fassade des Schulgebäudes mit seinen großen Fensteröffnungen auf. Die dem Pavillon zugewandte Seite der Schule wird von der Außenwand des Pavillons ausschnitthaft wiedergegeben. Die von den Architekten bewusst inszenierte bildhafte Wirkung der Fenster wird dabei aufgelöst und wiederum in eine reale Räumlichkeit überführt.

Hinter den Fensteröffnungen des Pavillons öffnet sich ein dynamisch fließender Raum. Er besteht aus einer tragenden Rahmenkonstruktion und zwei darin eingehängten „schwebenden Flächen“. Diese bilden in konstruktiver Hinsicht den Boden und die (begehbare) Decke des Pavillons; sie können aber auch sinnbildlich verstanden und interpretiert werden: So wird die Bewegung des Tanzes, die durch die großen Fensterflächen der gegenüberliegenden Schule zu sehen ist, im Inneren des Pavillons fortgeführt. Hier sind es nicht die Körper der Tänzer, die die Bewegungen ausführen, sondern es ist der Raum selbst, der ein dynamisches Spiel aus Schweben und Gehalten werden, aus in Bewegung geraten und Balance finden vollführt.
Ein wichtiges gestalterisches Element bildet in diesem Zusammenhang die rhythmische Gliederung und unterschiedliche Schrägstellung der beiden Ebenen des Pavillons. Durch diese entsteht eine eigene Raumatmosphäre, die nicht nur visuell wahrgenommen, sondern auch leiblich erfahren werden kann. Anders als im Alltag der SchülerInnen bedarf die Körper- und Raumerfahrung dabei nicht der Eigeninitiative oder intensiver Arbeit. Vielmehr geht der Impuls von der dynamischen Bewegtheit der Fläche aus, die den menschlichen Körper dazu einlädt, diese gehend, sitzend, oder liegend zu erkunden.