DER DRITTE RAUM, 2008/09

Entwurf für eine dreiteilige Installation im öffentlichen Raum
Gebäudeensemble „Haus des Verlages“, Alexanderplatz, Berlin

Collagen, Serie
digital bearbeitet

In Zusammenarbeit mit Regina Weiss

Die Elemente der Installation

Spiegelraum
Material: Spiegelglas
Maße: 4,35m x 6,55m x 3,28m

Flächenkonstruktion
Material: Holz, farbig lackiert
Maße: 17m x 25m x 2,80m

Negativtreppe
Material: Holz
Maße: 7,50m x 7,50m x 1,50m

Der Entwurf für die begehbare Installation Der Dritte Raum beschäftigt sich mit der Frage nach der Wirkungsweise einer Architektur, die ihre repräsentative Funktion durch den gesellschaftspolitischen Wandel nach der Wende 1989 verloren hat. So beschreibt die Installation eine Auseinandersetzung mit räumlichen Strukturen des sozialistischen Gesellschaftssystems der DDR mittels körperlich-sinnlicher Wahrnehmung. Hinter der versuchten Dekonstruktion des architektonischen Raumes verbirgt sich die Frage nach einem möglichen Umgang mit sozialistisch geprägten Architekturen und ihrer Bedeutung heute.

Der Ort
Die Installation wurde für die in der DDR entstandene Architektur des „Haus des Verlages“ am Berliner Alexanderplatz entwickelt. Das funktionalistische Gebäude wurde als sozialistisches Pressezentrum der DDR gebaut. Das Ensemble, bestehend aus den Gebäuden „Pressecafé“ (heute Restaurant „Escados“) und Verlagshaus (heute „Berliner Zeitung“), war Bestandteil des in den 1960er Jahren geplanten und 70er Jahren fertig gestellten Stadtzentrums Ost-Berlins, Hauptstadt der DDR. Als (ehemals) repräsentatives Hauptstadtzentrum verweisen die Architekturen in der Darstellung ihrer Funktion nicht nur auf ihre Alltagsbedingte Nutzung, sondern darüber hinaus auf die Ordnungs- und Machtstrukturen des sozialistischen Staatssystems. So repräsentierte die Architektur des Pressezentrums die organisatorische Aufgabe der Presse in der DDR, als Stimme des Staates. Durch den politischen Wandel nach 1989 haben sich gesellschaftliche Stellung und Aufgaben der Presse verändert. Geblieben ist die Architektur des Gebäudes, die in ihrer räumlichen Struktur und Formensprache an ihre ursprüngliche Repräsentation erinnert.

Die Installation
Die Installation ist im Außenbereich des Gebäudeensembles angesiedelt. Die vorgefundene räumliche Situation wird mit drei installativen Eingriffe (Spiegelraum, Flächenkonstruktion, Negativtreppe) auf unterschiedliche Weise untersucht und bearbeitet. Den Ausgangspunkt der Arbeit bildet der Versuch Architektur vor ihrem geschichtlichen Hintergrund sichtbar werden zu lassen. Dies geschieht in der Bearbeitung vor allem mittels einer körperlich-sinnlichen Erfahrung des Raumes. In der raumgreifenden Installation werden die maßgeblichen Qualitäten der räumlichen Situation differenziert herausgearbeitet, oder bewusst negiert, um die ursprüngliche rationelle Nutzungsstruktur zu unterbrechen. So wird eine als „Durchgangsraum“ charakterisierte räumliche Situation, unterhalb des ehemaligen Pressecafés des Haus des Verlages durch ihre Bearbeitung zu einem Ort transformiert, an dem eine unmittelbare Beziehung zwischen Körper, Raum und Gegenstand hergestellt werden kann. Durch die verschiedenen Elemente der Installation wird nicht nur die Umgebung auf unterschiedliche Weise reflektiert, sondern auch der Betrachter selbst. Die eigene körperliche Anwesenheit und Positionierung wird zur Grundvoraussetzung der räumlichen Wahrnehmung. In der körperlich-sinnlichen Erfahrung der bearbeiteten Architektur wird die vorhandene Raumstruktur und das mit ihr verbundene menschliche Beziehungsgeflecht von der Entstehung des Gebäudes bis zu seiner Nutzung heute sichtbar.